When the Music dies – eine Wurst als Sargnagel des ESC

by Tobias Fabinger | 0 comments

Lange, lange ist es her. Wegen fehlenden Interesses, einer wichtigen Neuorientierung in meinem Leben nach dem vergangenen Horrorjahr (Leute aus meinem Umfeld wissen, was so alles passiert ist), habe ich lange nichts mehr geschrieben. Nun wird es Zeit für eine neue Wortmeldung. Es geht dieses Mal wieder einmal um den Eurovision Song Contest (ESC), der mich mehr als entsetzt hat und der mich das Interesse an diesem Wettbewerb verlieren lässt. Für mich sehr überraschend hat den ESC 2014 Bart-Transe und Berufsprovokateurin Conchita Wurst für Österreich mit einer mittelmäßigen James Bond Ballade (“Rise like a Phoenix”) gewonnen. Die Strategie der Wurst war von Anfang an auf maximale Provokation ausgerichtet, weswegen ich nicht an einen Erfolg des Beitrags geglaubt habe. Tatsächlich scheint es aber wohl so zu sein, dass der Beitrag gerade deswegen erfolgreich war – und dem ESC damit großen Schaden zufügt. Der Grund, warum die Wurst die Totengräberin des ESC ist:
Sie hat den ESC als Musikveranstaltung, bei der Europa das beste Lied wählt, entwertet und zu einer Freakshow gemacht, bei der politische Aussagen zur Wahl stehen. Wenn so ein Beitrag den ESC gewinnen kann, dann ist das Urteil über den ESC, der in einigen osteuropäischen Ländern ja ohnehin schon als Homoveranstaltung oder Freakshow gilt, eigentlich gefallen. Zwar ist klar, dass die Wurst auch aus dem nichthomosexuellen Milieu viele Stimmen gesammelt haben muss, was man womöglich auch als Aktion gegen Putin verstehen kann. Dass diese Nummer aber einen “Schwulenbonus” hatte, der beim ESC-Publikum, das eben einen sehr hohen homosexuellen Anteil hat, von Vorteil ist, wird man aber kaum abstreiten können. Dazu kommt noch jede Menge sozialromantisches Klientel dazu, dass beim Kampfbegriff “Toleranz” ganz feucht wird. Dass hier nicht das beste Lied gewonnen hat beweist ja gerade die Juryabstimmung. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Abstimmungen jedes einzelnen teilnehmenden Landes zu analysieren, was auch erforderlich ist. Denn betrachtet man die Jury- und Publikumswertungen isoliert, hätte Österreich beide gewonnen. Während dies beim Publikum nicht überrascht (Österreich hätte hier 306 Punkte erreicht und damit 86 Punkte mehr als die zweitplatzierten aus den Niederlanden mit 220 Punkten), hätte sich Conchita Wurst bei der Jury mit 214 zu 200 Punkten durchgesetzt. Doch ein Blick auf die Details zeigt, dass das nicht so offensichtlich und klar ist, wie es aussieht.

37 Länder haben teilgenommen, wovon man 1 (Österreich) abziehen muss. Davon haben zwar 9 Jurys Österreich auf Platz 1 gesetzt, womit es sogar mehr waren als beim Publikum (8). Aber: Nur 7x haben die Jurys den Beitrag höher bewertet als das Publikum. Ganze 17x war die Wertung des Publikums höher. 9x waren die Wertungen identisch. 2x gab es kein  Televoting-Ergebnis (aus San Marino und Albanien) und 1x wurde ein Jury-Ergebnis wegen Betrugsverdachts annulliert (Georgien). Dies lässt bereits den Schluss zu, dass Conchita Wurst der Schwulenbonus und das sehr offensive, mitunter sogar aggressive Eintreten für die Homo-Agenda geholfen haben. Nun mag man einwenden können, Wurst hätte auch die Jury-Wertung mit 14 Punkten Vorsprung gewonnen. Nur:
Von den Ländern, in denen die Jury den Beitrag gleich gut oder höher bewertet hat als das Publikum, gelten rund die Hälfte als besonders liberal. Selbst wenn man also die Länder aus der Jury-Wertung ausnimmt, die Conchita aus vermeintlicher Homophobie ans Ende des Wertungstableaus gesetzt haben (Russland fällt hier z.B. heraus, da Russland – aller Unkenrufe der vermeintlichen Homophie zum Trotz – nicht zuletzt durch den 11. Platz bei der Jury insgesamt 5 Punkte an Österreich vergeben hat), fällt das Ergebnis eher contra Wurst aus. Aus der Wertung ausgenommen wegen vermeintlicher Homophobie werden Aserbaidschan und Weißrussland. Die Jury-Wertung von Polen war mit Platz 19 nicht so schlecht, als dass man sie mit Homophobie begründen könnte. Armenien vergab zwar nur den 24. Rang, Armenien gilt jedoch nicht als “homophob”, wird aber sicherheitshalber mit in Abzug gebracht.  Umgekehrt haben vor allem viele skandinavische Länder, die seit jeher als besonders homofreundlich gelten, hohe Plätze für Conchita vergeben. In Abzug zu setzen sind also Schweden, die Niederlande und Finnland mit Spitzenplatzierungen (1), sowie Island, Dänemark (2) und Norwegen (4). Nimmt man diese Länder aus der Jury-Wertung aus (wobei Armenien und Aserbaidschan schon deswegen unberücksichtigt bleiben müssten, weil sie sich offenkundig aus politischen Gründen gegenseitig jeweils auf den letzten Platz gesetzt haben), ergibt sich folgendes Ergebnis bei reiner Jury-Wertung:

1. Schweden (199) -0

2. Niederlande (192) -8

3. Österreich (151) -63

Österreich hätte also ganze 63 Punkte weniger erhalten, Schweden dagegen hätte keinen einzigen Punkt verloren, die Niederlande nur 8. Selbst wenn man diese politische Bereinigung ausschließt, muss man konstatieren, dass Österreichs Jury-Sieg also wenig aussagekräftig ist, weil bei den Niederlanden die Verschiebung viel geringer ist, mithin eben nur viele verschiedene Beiträge ganz oben gelandet sind. Während Österreich im Vergleich zum Publikum quasi 100 Punkte einbüßt, sind es bei den Niederlanden nur 20.Insbesondere die deutsche Jury bezog kräftig Prügel dafür, dass sie Österreich von Rang 1 (Publikum) auf Rang 4 runter gewertet hat. Bedenkt man das ausgeprägte Gutmenschentun in Deutschland, erscheint diese Wertung aus musikalischer Sicht aber vielleicht viel realistischer als es die Jury-Kritiker wahrhaben wollen. So schlecht die Zusammensetzung der deutschen Jurys seit Jahren ist, so gute Arbeit muss man ihr konstatieren, wenn man von einigen Fehlleistungen absieht, denn insgesamt waren die Wertungen der nationalen Jury stets nachvollziehbar.

Dass Österreich bei den Jurys vergleichsweise unerfolgreich war, dürften die Homo-Lobbyisten mit Homophobie begründen. Ich begründe das mit mittelmäßiger und unauthentischer Musik. Die Jurys haben Österreich nach Bereinigung besonders homofreundlicher und homophober Länder regelmäßig auf den Platz gesetzt, der dem Beitrag der musikalischen Qualität nach angemessen war (wären sie homophob, hätten Länder wie Russland, Ungarn und Polen Österreich jeweils an den letzten Platz gewählt). Dies führt uns zu folgendem Schluss: Hätte diesen Beitrag nicht die Wurst, sondern Natalia Kelly gesungen, wäre bei der Publikumswertung auch nicht mehr rausgekommen als bei der Jury. Genau das beweist, wie wichtig die Jurys sind. Aber da die Jurys dieses Jahr trotz einer quasi nie dagewesenen Diskrepanz zwischen Meinung des Publikums und Meinung der Fachwelt (ja, anno 2011 gab es einmalig eine Abweichung zwischen Jury-Gewinner Italien und TV-Gewinner Aserbaidschan, allerdings mit deutlich geringeren Unterschieden) es nicht geschafft hat, den Sieg dieses Beitrag zu verhindern, ist ein Armutszeugnis. Für mich ist der ESC damit jedenfalls endgültig unglaubwürdig geworden und ich werde ihn mir nächstes Jahr nicht mehr ansehen und kann nur hoffen, dass sich Europa das nicht bieten lassen und dem Wettbewerb ebenfalls fernbleiben wird. Ich habe zumindest keine Lust auf einen “Eurovision Politics Contest”, denn sonst ist klar, was passieren wird: es wird ein Schaulaufen der Freaks und “Toleranz”prediger. Wenn musikalische Qualität nicht mehr zählt, dann wäre man ja blöd, wenn man nen Qualitätsbeitrag schicken würde.

Aber auch aus einem anderen Grund sehe ich den ESC als schwer beschädigt an:

Conchita hat sowohl dem ESC als auch der eigenen Community einen Bärendienst erwiesen. Der ESC gilt nun endgültig als Homoveranstaltung  und Freakshow, bei der es weniger auf gute Musik als auf ein freakiges Auftreten ankommt. Folgerichtig überlegen einige Länder, aus dem ESC auszutreten. Ihre Begründung mag etwas übertrieben oder manchmal schlicht dämlich sein (Russland), aber den Wunsch nach dem Austritt halte ich für absolut nachvollziehbar, wenn man sich dieses Resultat ansieht und noch dazu das Verhalten des Publikums, das den ESC immer mehr mit Politik auflädt. Dass man sich seitens der ESC-Veranstalter veranlasst sieht, den Leuten erklären zu müssen, warum es ein guter ESC war, zeigt, dass der ESC alles andere als gut war. Zumal deren Argumentation doch ziemlich schwach ist.

Der eigenen Community hat die Wurst dadurch geschadet, dass sie wieder mal ein denkbar freakiges Schwulenbild zementiert hat und zudem auch noch ein Aushängeschild für die unerträgliche und menschenverachtende Gender-Ideologie ist. Dem eigenen Anliegen kann man auch mit mehr Würde Nachdruck verleihen. Der “Toleranz” hat das sicherlich nicht geholfen. Auch wenn es immer behauptet wird, aber ein ESC-Sieg hat für Europa gar nichts zu bedeuten. Bedenkt man das Stammklientel des ESC und dem Hype im Vorfeld des Wettbewerbs, dürfte Conchita ihren Sieg weitgehend dem Homo-Publikum und den sozialromantisch veranlagten Zuschauern zu verdanken sein, die den Kampf für die ominöse “Toleranz” zu ihrem Lebensinhalt erklärt haben. + Stimmen derer, die auf diese Weise Russland eins auswischen wollten. Ich sehe jedenfalls überall außerhalb der ESC-Seiten fast nur gleichgültige bis entsetzte Reaktionen. Bedeutet: Conchitas Sieg (zumal er angesichts der Siege von Dana International und Marija Serifovic, die vorgemacht haben, wie man einen homosexuellen Beitrag mit Würde inszenieren kann, sowieso kein Novum war) sagt gar nichts über die “Toleranz” in Europa aus, weil der ESC durch seinen Ruf als Freakshow ohnehin schon zum großen Teil ein Klientel angesprochen hat, das gar nicht repräsentativ für den Bevölkerungsdurchschnitt sein dürfte. Und vergessen wir eines nicht: Conchitas vorgeheuchelter Kampf für Toleranz – einschließlich wirksam eingesetzter Krokodilstränen – wird durch ihr eigenes Verhalten unglaubwürdig. Nicht nur, dass sie sich in der Vergangenheit an TV-Sendungen auf unterstem – mitunter auch rassistisch angehauchtem – Niveau beteiligt hat. Ihre eigene wenig souveräne Reaktion auf eine Äußerung des Konkurrenten Aram MP3 aus Armenien und ihr gleichzeitiges Schweigen, als das Publikum die jungen Frauen aus Russland aus Protest gegen Russlands Politik schäbig ausgebuht hat zeigt, wie ernst es Conchita Wurst mit der Toleranz und Gleichstellung wirklich ist: nämlich gar nicht, bzw. streng beschränkt auf alles, was in Wursts politische Agenda passt. Die Diskriminierung anderer Teilnehmer, die an deren Nationalität anknüpft, scheint sie indessen wenig zu kümmern. Glaubwürdig geht wirklich anders. Genau deshalb ist ihr Sieg auch ein verheerendes Signal für die Mündigkeit des ESC-Publikums und mit Sicherheit kein Argument gegen die Jurys, die sich ohnehin als resistenter gegen Diaspora-Voting erwiesen haben als das Publikum.

Was bleibt, ist ein beschädigter (weil unglaubwürdiger) ESC und die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit, wenn man von den krampfhaften Versuchen gewisser politischer Kreise und den ihnen nahestehenden Medien absieht, dieses Ereignis für ihre Zwecke auszuschlachten. Zudem – was wohl am schlimmsten ist – wird die Meinungsfreiheit nachhaltig beschädigt, da Kritik an Conchita Wurst sofort als rassistisch, homophob und rechtsextrem abgestempelt wird.

Gedanken zum Jahresabschluss 2013

by Tobias Fabinger | 0 comments

Liebe Leser,

das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Es war ein ereignisreiches Jahr, das für Deutschland leider wieder keine Veränderung gebracht hat, außer dass der Wähler die FDP abgestraft hat und wegen der undemokratischen 5%-Hürde so viele Wählerstimmen unberücksichtigt bleiben wie noch nie.

Aber auch im privaten Bereich war 2013 für mich nicht nur ein Jahr der Stagnation, sondern ein Jahr der persönlichen Katastrophen. 2014 wird daher einen Umbruch und einen Neubeginn darstellen, den ich auch konsequent vollziehen möchte. Daher mache ich mir Gedanken über die zukünftige Gestaltung und Ausrichtung dieser Netzpräsenz. Vorerst habe ich daher die alten Artikel weitestgehend archiviert und auch einige Angaben auf den aktuellen Stand gebracht. Wenn es etwas Neues (und hoffentlich Erfreuliches) zu berichten gibt, werde ich mich wieder melden.

Halten Sie bis dahin Ihre Augen offen, seien Sie wachsam und kritisch – vor allem den Medien gegenüber. Demokratie ist nur wehrhaft und stark, wenn die Bürger, die die Demokratie tragen sollen, mündig und informiert sind.

Auf ein gutes Jahr 2014.